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Primera y segunda parte de la Historia General de las Indias

Francisco López de Gómara wollte eine allgemeine Geschichte über die Entdeckungen und Eroberungen der Spanier auf dem amerikanischen Kontinent im 15. und 16. Jahrhundert erzählen, die das Denken der Spanier über die Kolonialisierung verändere. Doch bereits kurz nachdem sein Werk Primera y segunda parte de la Historia General de las Indias con todo el descubrimiento y cosas notables que han acaecido dende que se ganaron hasta el año de 1551. Con la conquista de México y de la Nueva España erstmals im Jahre 1552 erschien, zeichnete sich ab, dass er es nicht leicht haben würde. Das Buch wurde von zeitgenössischen Lesern kritisiert. 1553 wurde es sogar vom spanischen König Karl V. verboten, da López in seinem Buch mehrere Entscheidungen des Königs während der Feldzüge in Mexiko hinterfragte. In Spanien ist die Historia General nach ihrem Verbot in Vergessenheit geraten und wurde erst 1717 neu entdeckt und veröffentlicht. In der Zwischenzeit wurde López‘ Werk in Frankreich, Italien und Belgien herausgegeben. Die vorliegende Ausgabe von 1554 stammt aus Antwerpen. Ein weiterer Grund für das Verbot war López‘ Freundschaft zum Konquistadoren Hernán Cortés, dessen Beziehung zum spanischen König unter seinen Forderungen nach erobertem Land und Gold litt. López lernte Cortés während einer Expedition in Algerien kennen und wurde 1540 sein Hauskaplan. Er blieb bei Cortés bis zu dessen Tod im Jahre 1547. In dieser Zeit entstand die Historia General. Beinahe alle Berichte in dem Werk basieren auf Erzählungen von Soldaten und Geistlichen, die an den Feldzügen und Expeditionen der Spanier in Amerika teilnahmen. Vor allem Cortés hatte großen Einfluss auf das Buch. López‘ Kritiker warfen ihm vor, dass er die Geschichte der spanischen Expansion in Südamerika zu einseitig erzähle und dabei nur Cortés‘ Verdienste betone. Die Kritik an der Historia General verschärfte sich durch die Tatsache, dass López nicht an den Feldzügen teilnahm und selbst nie nach Amerika gereist ist. Dies bemängelte auch López‘ größter Kritiker Bernal Díaz del Castillo. Der Soldat reiste mit Hernán Cortés nach Mexiko und Honduras und begann kurz nach der Veröffentlichung der Historia General eine Gegenschrift zu verfassen. Sein Werk La Historia Verdadera de la Conquista de la Nueva España wurde erst lange nach seinem Tod im Jahr 1632 veröffentlicht. In seinem Buch beschreibt Díaz die Expeditionen aus der Sicht der Soldaten und betont, dass er sich von López‘ Darstellungen abgrenzen will. Dennoch unterscheiden sich López‘ und Díaz‘ Berichte kaum voneinander. Díaz‘ Werk ist neben den Briefen von Hernán Cortés an Karl V. der einzige Augenzeugenbericht über die Feldzüge der Spanier in Mexiko. Obwohl die Historia General bis heute als umstrittene Quelle für die spanische Expansion in der Frühen Neuzeit gilt, zeigen die Ähnlichkeiten zwischen Díaz‘ und López‘ Beschreibungen, dass das Werk durchaus ein brauchbares Bild von der spanischen Kolonisationsgeschichte liefern kann.

 

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