Home | Drucken | English English | Suche
Historia Chinas

Juan Gonzales (1545 - 1618) hatte  während seines Aufenthaltes in Mexico häufig Kontakt zu Durchreisenden, die über den Pazifik nach Ostasien weitereisten. Dabei wurde sein Interesse für diese ferne Region wohl so angefacht, dass er die Idee fasste, selbst einmal China zu bereisen, zu beschreiben und vor allem um es zu missionieren. 1571 kehrte er in die Heimat zurück und es gelang ihm tatsächlich bis 1581 den König von einer Gesandtschaftsreise nach China zu überzeugen. Die Expedition brach noch im selben Jahr auf und erreichte wiederum Mexico. Doch da war sie auch schon wieder zu Ende. Zwar befürwortete der mexikanische Gouverneur das Vorhaben; sein ebenso anwesender Kollege von den spanischen Philippinen lehnte jedoch entschieden ab. Damit offenbart sich die erste Überraschung. Gonzalez erreichte weder jemals China, noch sprach er die chinesische Sprache. Sein Werk basiert einzig und allein auf Berichten voriger Chinareisender wie z.B: Galeote Pereira, Martin de Rada und Miguel de Loarca – allesamt Reisende, Händler Kirchenmänner und Soldaten. Sie waren in den Jahrzehnten vor Gonzalez in China gewesen obwohl dort ein Einreiseverbot für Ausländer bestand und brachten so Kunde und Waren aus dem abgeschotteten Land nach Europa. Der Umstand des Plagiats brachte Gonzalez keinen Nachteil ein. Sein Buch (1585 in Rom erschienen), das aus sechs Büchern a 24 Kapiteln besteht wurde ein Bestseller seiner Zeit und in ein halbes Dutzend europäischer Sprachen übersetzt. Die Beschreibungen reichen von der Geografie des Landes, seiner Geschichte, der Regierung, der Bevölkerung bis hin zu Details im Handwerk und der von Gonzalez kritisierten Religion. Die Beschreibung Chinas umfasst nur die ersten drei Bücher. Dieser Teil wurde 1992 von Margarete Grießler neu ins Deutsche übersetzt. Gonzalez gelang dank dem Erfolg seines Buches eine kirchliche Bilderbuchkarriere, die ihn von Ämtern in Rom bis hin zu mehreren Bischofsposten, u.a. in Venezuela, führte.

 

zum Digitalisat