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A Narrative Of The Expedition To Botany Bay

Watkin Tench bediente als gebildeter Soldat aus gutem Hause als Paradebeispiel das populäre Bild des aufgeklärten, soldatisch-korrekten Gentleman-Entdeckers der damaligen Zeit. Da Kolo­nien immer auch mit Militär verbunden wurden, war es Offizieren ein leichtes, sich an Expeditio­nen zu beteiligen. Durch ihre oftmals exzellente Bildung und ein Gefühl für die gehobene Leser­schaft war es demnach nicht unüblich den Beruf des Soldaten mit dem des Entdeckers und Be­richterstatters zu verknüpfen.

Mit wissenschaftlichem Eifer, journalistischer Sorgfalt und einem Auge für die wichtigsten Details liefert Tench einen ausgezeichneten Autor, der den Leser mit der fesselnden Reiseerzählung mitnimmt und ihn zugleich über eine gut selektierte Auswahl an Detailinformationen zu vielen Themengebieten informiert. Trotz seiner Sachlichkeit ist auch die humanitäre Einstellung des Autors deutlich herauszulesen und macht darum seinen Bericht von bisher noch nie zuvor gese­henen Tieren (z.B. dem Känguru) und einem neuen Menschenschlag (den Aborigines) beson­ders wert- und wirkungsvoll für die Grundsteinlegung des heutigen Australiens.

So beginnt er seine Erzählung von seiner Seereise mit der „First Fleet“ zum neuentdeckten Kontinent Australien, die Inbesitznahme der Botany Bay (die Bucht des heutigen Sydney) durch die Errichtung einer Strafkolonie und die ersten Begegnungen mit den Ureinwohnern mit einer Einleitung, die seine persönliche Anteilnahme am Erfolg dieser Reise herausstellt. Für Tench ist die Kolonialisierung mit Sträflingen ein Experiment, „das nicht weniger neu in seinem Entwurf wie auch schwierig in seiner Ausführung ist“. Darum wünscht er sich, dass das Resultat seiner Bemühungen einer „fairen Bewertung“ unterzogen wird. Im weiteren Verlauf des Buches wird die Seereise über Teneriffa, Brasilien bis zur Anlandung in der Botany Bay an der Ostküste des australischen Kontinents beschrieben und mit nautischen Daten versehen. Detailliert befasst sich Tench in den nachfolgenden Kapiteln mit dem Siedlungsverlauf und geht auf Flora, Fauna und Klima des neuen Kontinents ein. Besonders faszinierend sind dabei die Erzählungen über die ersten Begegnungen mit den Eingeborenen. Die das Werk abschließenden Tipps für neue Siedler zeigen, wie überzeugt Tench von einer erfolgreichen und schnellen Besiedlung des Kon­tinents war.


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